In Plain Sight


In Plain Sight: New Queer History
Research From Eastern Europe

5. November, 18.30 Uhr

Was kann uns eine über hundert Jahre alte Boulevardpresse über Leben und Tod lesbischer Frauen im Habsburgerreich erzählen? Wie gelangt man an das Kriegstagebuch einer sowjetischen Partisanin aus einem gesperrten Archiv? Und wie lassen sich Spuren von Queerness in den Memoiren eines Stars der sozialistischen Ära finden?

Dr. Eszter Timár, Eugenia Seleznova und Barbara Trojanowska stellen ihre aktuellen Fallstudien und Ergebnisse aus der queeren Geschichtsforschung zu Mittel- und Osteuropa vor und diskutieren sie. Die Vortragenden präsentieren bislang unbekannte queere Geschichten aus dem habsburgischen Galizien, der Sowjetukraine der Stalinzeit und dem Ungarn der Nachkriegszeit. Außerdem erzählen sie, wie sie die Quellen aufgespürt und sich Zugang zu ihnen verschafft haben. Moderiert wird die Veranstaltung von Andreas Brunner. Sie richtet sich an ein breites, nicht-wissenschaftliches Publikum.


Dr. Eszter Timár

Dr. Eszter Timár ist Associate Professor am Department of Gender Studies der Central European University in Wien. Sie forscht zu Queer Theory, Geschichte der Sexualität, Literaturtheorie, Dekonstruktion, Performativität, Verkörperung und feministischer Theorie. In ihrer aktuellen Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit Dekonstruktion und osteuropäischem queerem Affekt.

Dr. Timár stellt den Fall von László Márkus vor, einem bekannten ungarischen Schauspieler, der im Staatssozialismus landesweit populär wurde. Sie spricht über seine möglicherweise im Verborgenen gelebte Queerness und über Spuren queeren Widerstands in seiner auf Interviews basierenden Biografie sowie in einigen seiner späteren Fernsehauftritte.


Eugenia Seleznova

Eugenia Seleznova ist PhD-Kandidatin am Department of Gender Studies der Central European University in Wien. Außerdem ist sie als Autorin und Lektorin tätig.

Eugenia stellt ihre Forschung zu Aleksandra „Shura“ Dubrovina vor, die im Zweiten Weltkrieg einer sowjetukrainischen Jugendwiderstandsgruppe angehörte und 1943 von den Nationalsozialisten gefangen genommen und hingerichtet wurde. Nach dem Krieg galt ihre Geschichte als Beispiel für Heldentum, ihre „leidenschaftliche Freundschaft“ mit ihrer Mitstreiterin Maya Peglivanova wurde jedoch weitgehend ausgelassen oder verzerrt dargestellt. Um den Fall zu rekonstruieren, trug Eugenia verstreute Berichte von Zeitzeug*innen und wenig bekannte literarische Texte zusammen, bis sie schließlich eine Kopie von Dubrovinas Tagebuch aus einem gesperrten Archivbestand erhielt.


Barbara Trojanowska

Barbara Trojanowska ist Doktorandin am Department of History des European University Institute in Florenz und Mitglied der Arbeitsgruppe Queer and Feminist Studies.

Barbara präsentiert Ergebnisse ihrer Archivrecherche in einem breiten Spektrum polnischsprachiger Publikationen, von Tageszeitungen bis zu medizinischen und juristischen Fachzeitschriften. Die Recherche ist Teil ihres laufenden Forschungsprojekts zum Leben frauenliebender Frauen im späthabsburgischen Galizien (Teile des heutigen Polen und der heutigen Ukraine) zwischen 1880 und 1914. Sie zeigt, wie gleichgeschlechtliche Intimität, Gefühle und Sexualität von Frauen in diesen Publikationen dargestellt wurden und inwiefern sich darin die aufkommenden Vorstellungen von weiblichem gleichgeschlechtlichem Begehren vor der Zwischenkriegszeit spiegelten.

1120 1494 Qwien - Zentrum für queere Geschichte
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